Trotz Trennung ein glückliches Kind – das geht!

Katerina Gottesleben • April 15, 2016 • 1 Comment

Eine Trennung ist nicht nur für das Paar eine riesige Belastung, sondern auch und vor allem für die gemeinsamen Kinder, denn auch, wenn sie damit nichts zu tun haben, geben sich viele Kinder die Mitschuld am Auseinandergehen ihrer Eltern. Wie kann man das umgehen?

Als mein Sohn 2,5 Jahre alt war, habe ich mich ebenfalls von meinem Mann getrennt. Wir waren an einem Punkt angelangt, an dem es einfach nicht mehr weiter ging. Zwischen uns fand quasi keine Kommunikation mehr statt, außer gegenseitige Vorwürfe hatten wir uns seit langer Zeit nichts mehr zu sagen. Im gemeinsamen Urlaub gingen wir einander aus dem Weg. Einer Therapie wollte er (ganz männertypisch) nicht zustimmen, also musste ich früher oder später meine Konsequenzen ziehen und zog aus. Niemals hätte ich mir vorher träumen lassen, dass ich mal an diesem Abgrund stehen würde. Eine allein erziehende Mama und eine fast geschiedene Frau – und das mit nur 27 Jahren. Allein mein Ego konnte das kaum verkraften – von meinem in Stücke zerrissenen Herzen möchte ich gar nicht sprechen.

Unser Kind tat mir wahnsinnig leid, doch ich wusste, dass es weit schlimmer wäre, wenn es in einer schlechten Atmosphäre aufwachsen müsste. Auch deshalb tat ich es zu einer Zeit, als ich dachte, es wäre noch klein genug, um die schlechte Zeit zu vergessen. Nicht, dass wir uns vor ihm angeschrien hätten, aber ihr wisst ja wie das ist – manchmal ist nicht sprechen schlimmer.

Meine größte Aufgabe hieß ab jetzt: Du musst Dein Kind trotzdem zu einem glücklichen Menschen machen!

 Und genau daran setzte ich alles.

  • Ich zog nicht weit weg, damit mein Sohn von uns beiden vom Kindergarten abgeholt werden konnte.
  • Ich verweigerte seinem Vater niemals den Umgang und sagte meinem Sohn immer, dass er seinen Papa jederzeit sehen darf, wenn er will.
  • Ich erklärte meinem Kind als es älter war klipp und klar, dass es mit unserer Trennung gar nichts zu tun hatte und wir ihn beide über alles lieben.
  • Ich vermied es, seinen Vater schlecht zu machen.
  • Ich setzte alles daran, dass mein Ex und ich uns noch verstanden – sprich: zog ihm nicht die Hosen aus, nahm fast nichts mit und verlangte für mich selbst überhaupt kein Geld (das war vielleicht teils ein Fehler, weil ich wirklich sehen musste, wo ich blieb, aber es machte mich auch stark und zwang mich, etwas aus mir zu machen).

Es war überhaupt nicht einfach. Ich musste lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Ich musste lernen, auch mal tagelang ohne mein Kind auszukommen und es zu einem Teil loszulassen, der eigentlich in diesem Alter noch viel zu groß war für die starke Bildung zwischen uns. Von den verwirrenden Gefühlsbädern mal ganz abgesehen. Aber wisst ihr was? Ich habe es geschafft. Mein Sohn ist mir nie unglücklich vorgekommen. Er hat sich wunderbar entwickelt. Er hatte immer beide Eltern, bekam überall viel Liebe und viel Aufmerksamkeit, denn wer auch immer ihn von uns hatte – er hatte Zeit für den Kleinen. Ich habe immer versucht, das Positive daran zu sehen. Natürlich war es nicht immer schön und wenn ich in dieser Zeit glückliche Familien sah, da habe ich schon mal ein paar Tränchen verdrückt, aber meinem Sohn – dem fehlte es an nichts.

Und wisst ihr was – da ich die Brücke zu seinem Vater nie abriss, sind wir jetzt wieder zusammen. Nach 4 Jahren. Und das soll nicht klingen wie ein HAPPY END oder eine Empfehlung für alle – besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende – das ist noch immer meine Überzeugung. Aber eine Motivation, mit seinem Ex (trotz Verletzungen) fair umzugehen, ist es allemal, finde ich.

Ich wünsche allen Betroffenen viel Kraft – Männern wie Frauen. Geht fair miteinander um, denn ihr seid Vorbilder und keine Feinde!

Eure Katerina

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1 Kommentar

  • Model und Mama • 11 months ago

    Nicht schlecht über den Ex reden ist bestimmt schwer, aber soo wichtig – genau wie dem Kind zeigen, dass es nicht an ihm liegt. Das glauben Kinder nämlich leider häufig. Gut gemacht und schönes happy end 😉