Soll ich mir wirklich noch den Film antun?

Katerina Gottesleben • February 20, 2015 • No Comments

Erstmal vorweg – ich lese sehr gerne. Zeitweise sogar relativ wahllos. Wenn ich Zeit habe, verschlinge ich alles, was da ist – und wenn´s nur die Packungsbeilage meines Hustensafts ist. Es sei denn es wird mir zu dumm.

Ich habe vor Jahren mal Shades of Grey geschenkt bekommen. Toll, dachte ich, ein dickes Buch – das habe ich wenigstens nicht in ein paar Tagen verschlungen. Und es stimmte. Ich kaute und kaute darauf herum und am Ende – das Ende hab ich nie gesehen.

Und was war mein Grund? Tja, das fragte ich mich auch. Ich wollte schon fast zum Psychologen gehen, weil alle dieses Buch angeblich so wahnsinnig toll und spannend fanden. Plötzlich waren die Bahnsteige voll mit Shades of Grey – lesenden Frauen. Ja bin ich denn unnormal?

Also dachte ich, ich hole mir mal das Hörbuch. Wenn ich zu meinen Jobs fahre, habe ich ja Zeit. Shades of Grey scheint ja so ein Klassiker zu werden, da giltst du als unterbelichtet, liebe Gottesleben, wenn du das Ende nicht kennst.  Und ich hielt es wieder schier nicht aus.

Statt mit meinem Psychologen besprach ich es vor ein paar Tagen mit meinem Freund. Der ist mindestens genauso Buch- und Hörbuch affin wie ich. Und endlich – E N D L I C H  hab ich es kapiert. Denn auch er hat es sich nun auch gekauft und hat es auch nicht durchgehalten – haha!

Ich sah mir noch einmal die Rezensionen an, denn es ist schon ewig lange her und die ganze Zeit dachte ich, wie blöd ich bin, keinen tieferen Sinn in diesem Buch zu entdecken. Und eine traf den Nagel auf den Kopf – mein Problem war gelöst. Die Aussage “das Buch ist unfreiwillig komisch” hat mich geheilt.

Die Hauptfigur Ana stammelt, errötet und knabbert auf fast jeder Seite an ihrer Unterlippe. Christian haucht in ihr Ohr, dass sie gut riecht. Und zwar gefühlte hunderttausendachtundfünfzigmal. Aber ich will doch was anderes erfahren als das. Das weiß ich doch schon! Und wo ist die Handlung? Und wo der Sex? Na entschuldigt mal, aber deswegen liest man doch das Buch, oder nicht?

Ich finde es kommt erstmal lange nichts und dann wird´s erstmal harmlos. Da kann ich auch die Bravo lesen und das Dr. Sommer-Team wird mir dreckigere Themen liefern. Außerdem war mir Ana zu naiv und Christian zu unsympathisch und persönlichkeitsgestört. Auf narzisstische, böse Buben stand ich in meiner Pubertät.

Und nun wollen meine Freundinnen mit mir in den Film. Keine Ahnung, ob sie das Buch gelesen haben, aber ich frage mich ernsthaft, ob ich mir das antun soll. Dafür spricht natürlich die Tatsache, dass der Film ja nicht länger als – sagen wir mal – drei Stunden dauern kann. Dagegen spricht (und ich bin nicht geizig, aber verschaukeln kann ich mich selber), dass ich E. L. James für dieses Werk jetzt nicht noch einmal Geld ins Popöchen schieben möchte.

Nicht, dass ich es ihr nicht gönnen würde, aber dem wird ihre Leistung in meinen Augen nicht gerecht. Und jetzt zerreißt mich. :-p

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