Mit Kate möchte ich nicht tauschen!

Katerina Gottesleben • May 03, 2015 • No Comments

Ich frage mich wie Kate es fertig gebracht hat am Tag der Geburt geschniegelt und eleganten Schrittes das Krankenhaus zu verlassen.

Wenn ich mir ausmale, wie ich im offenen Hemd und sexy Netzhöschen mit Binde Modell Holzboot durch den Krankenhausflur watschelte (ja – watschelte, das war kein Catwalk), kann ich das nicht ganz nachvollziehen. Ganz ehrlich, so ein bisschen abgammeln im Zimmer mit dem Neuankömmling tat schon gut. Und man braucht nicht zu erwähnen dass man sich fühlte wie nach einem Marathon, bei dem die Figur die Maße eines Luftballons angenommen hatte, dem die Luft rausgelassen wurde. Ich lasse meinem Kopfkino freien Lauf, was sich im Kreißsaal abgespielt haben könnte.

  • Kates und Williams Baby kommt auf die Welt. Der stolze Vater twittert in royaler Manier die Ankunft des neuen Sprößlings.
  • Der Visagist für Kate wird bestellt, noch während das Baby gewogen, gemessen und Kate an die Brust gelegt wird.
  • Während die Eltern wertvolle zehn Minuten mit ihrem Kind genießen, ruft bereits der Designer von Kates Klinik-Verlass-Kleid an, ob sich die Maße arg verändert haben.
  • Kate wird gewogen und gemessen.
  • Während William das Baby zum ersten Mal wickeln darf, geht Kate sich waschen, immerhin hat selbst die royale Schönheit ein wenig geschwitzt.
  • Der Designer kommt mit einem Assistenten an, um das Kleid perfekt an Kates neue Maße anzupassen. Während der Anprobe wird ihr schwindlig, weil sie zum ersten Mal wieder ihre Füße sieht.
  • Ein Visagist und ein Friseur kommen an. Kate kann in der eigens eingerichteten Maske des Krankenhauses kaum sitzen, deshalb wird ihr außerplanmäßig ein Bett hinein gefahren, in dem sie während des Schminkens mit dem Baby im Arm ein Nickerchen macht. William sitzt daneben und hält ihre Hand.
  • Kate wird geweckt, die Leute warten, die Haare müssen noch geföhnt und auf Heißwickler gewickelt werden.
  • Endlich sitzt das Kleid. Es sieht perfekt aus und verdeckt genau die Körperzonen, die man nicht sehen soll. Kate fängt an zu heulen, weil sie es doch lieber in Pink hätte bestellen sollen und ihre Hormone Achterbahn fahren.
  • Der royale Schmink-Fuzzi, der Frisör und der Assistent des Designers trösten sie. Der Designer ist beleidigt. Er findet das Kleid super und schmollt.
  • Kate wird noch einmal geschminkt, weil das Make-Up beim Gefühlsausbruch verlaufen ist.
  • William steppt schon nervös vor dem Zimmer und zeigt auf die Uhr. Die Reporter warten.
  • Nachdem sich Kate wieder beruhigt hat und ihr Baby sicher auf einem stocksteifen Brettchen mit Rüschen auf ihrem Arm angeschnallt und zugedeckt liegt, damit seine Mama mit dem anderen Arm winken kann, tritt sie eleganten Schrittes vor die Tür und lächelt tapfer jeden an, obwohl die Geräuschkulisse locker an die Dezibel-Anzahl eines startenden Düsenjets herankommt. Sie hat nur Augen für ihr Baby, weil sie sich Sorgen macht, dass es aufwacht. William lacht sich währenddessen ins Fäustchen, weil der Name des kleinen Mädchens gar nicht auf der Wetteinsatzliste steht.

Ganz ehrlich? Ich chillte lieber drei Tage im Bett, genoss meinen Sohn, trank mein Malzbier für die Milchbildung, heulte diskret und allein als der Milcheinschuß kam und meine Hormone abdrehten. Ich genoß es, mit verstruwwelten Haaren im Snoopy-Pyjama mein Baby durch die Gegend zu tragen und allen abzusagen, die zu mir ins Krankenhaus kommen wollten, außer ganz engen Freunden und meiner Familie.

Auch ich sage von Herzen herzlichen Glückwunsch, liebe Kate und lieber William. Verkriecht euch jetzt und genießt die Zeit zu viert – ganz ungeschminkt und im Pyjama.

Vielleicht war es ja ganz anders, als ich es mir vorstelle –  was malt ihr euch dabei aus?

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