Mami im Erstklässlerwahnsinn!

Katerina Gottesleben • September 01, 2015 • No Comments

Die Zeit ist verflogen und aus unseren Babies werden plötzlich Erstklässler. So weit, so gut. Zum Glück haben auch die Mamis die Ferienzeit, um sich daran zu gewöhnen, dass es jetzt tatsächlich ernst wird. “Ernst” – was für ein Wort… das klingt so spaßlos. Kann man es nicht einfach so sehen, dass das Leben weiter geht und der Spaß erst richtig anfängt?

Nun ja, was soll ich sagen. Ich freue mich auf die Schule. Ups – ein bisschen komisch ist das schon, immerhin komme nicht ich in die Schule, sondern mein Nachkömmling. Das vergessen wir Mamas viel zu oft. Es ist das Gesprächsthema Nummer eins. “Kommt ihr jetzt auch in die Schule?” “Hast Du schon einen Schulranzen?” “Boah, was für eine lange Liste mit den Schulsachen, war ganz schön teuer.” “Hast Du schon eine Schultüte gebastelt?” “Bastelst Du, oder lässt Du basteln – ich finde es so lieblos, eine zu kaufen.” “Jetzt ist die Zeit des billigen Urlaubs vorbei.” Puh, so viele Themen und Kommentare auf einmal, mit ähnlicher Intensität hat man doch vor ein paar Jahren noch über Babybrei, Schlaf und Windelinhalt diskutiert.

Eine selbstgebastelte Schultüte hat den Status eines selbstgekochten Babybreis. Sie sagt aus, dass die Mutter sich um ihr Kind wirklich kümmert und dass es ihr wichtig ist. UND dass sie fähig ist. Punkt. Ich habe darüber nachgedacht. Ich hasse basteln. Vor Allem finde ich es sinnlos, alleine vor mich her zu werkeln. Mit Kind ist es doch viel lustiger, dann nimmt man es ja gerne auf sich – nur – Überraschung: mein Kind hat das Bastel-Gen von mir geerbt und die (Un-)Lust dazu auch.

Was tun, damit ich beim Schultütenvergleich mit den anderen Erstklässlermüttern nicht total negativ auffalle (und wer weiss, mein Sohn am Ende eine Note schlechter steht, nur weil man seiner Schultüte ansieht, dass die Mama keinen Bock hatte)?! Hilft nix. Man setze sich hin und bastle eigenhändig eine Schultüte (ich gestehe zu meiner Schande, dass ich meinen Sohn mit Hipp-Gläschen gefüttert habe und das jetzt kompensieren muss). Die Tüte ist auf allen Bildern des ersten Schultages drauf, ich muss also schon mit etwas Ansehnlichem aufwarten.

Leider mache ich mir tagelang Gedanken und mir fällt nichts ein. Gar nichts. Also fahre zum Real und hole erst einmal eine rote Blanko-Tüte, um sie mir zum Brainstorming hinzustellen. Notfalls schneide ich irgendwelche Lightning McQueens aus Max´ Zeitschriftensammlung aus und entsorge diskret die zerschnippelten Magazine, bevor er´s merkt. 4 Tage bin ich auf Jobtour in Norddeutschland und mache mir nachts im Hotelzimmer Gedanken. Aus Gedanken werden schlaflose Nächte. Diese blöde Schultüte.

Nach der ersten Nacht wieder zu Hause fällt mir morgens um sechs plötzlich was ein und ich schieße aus dem Bett. Hab ich nicht irgendwo ein Bild aus Buchstaben gehabt? Juhuuuuu, da ist es – hinten im Regal. Ich zupfe es auseinander und klebe Max´ Namen auf die Schultüte. Das ist ja schon mal ein Anfang. Ein paar Zahlen sind auch darauf. Ich bin im Bastelfieber. Perfekt, da ist Max´ Auto-Ausmalheft. Läuft. Eine Seite wird er ja wohl opfern. Ich suche ein Auto aus und male es mit Filzstiften aus. Hab ich ewig nicht mehr gemacht und es macht sogar Spaß. Nach ein paar weiteren Einfällen und einer weiteren Stunde ist die Schultüte fertig. Ich finde sie nicht gerade preisverdächtig, aber es steckt Liebe und viele Gedanken drin. Wird wohl reichen müssen.

Als ich sie stolz neben den Schulranzen lege, bemerke ich, dass sich die Farben beißen. Egal. Schultüte vorne, Ranzen hinten und fertig.

Jetzt muss ich wohl nur noch Taschentücher besorgen, seitdem ich ein Kind hab, bin ich nämlich eine Heulsuse…

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