Ist Schwangerschaftsdiabetes “en vogue”?

Katerina Gottesleben • October 10, 2017 • No Comments

Mal was Ernsthaftes, bevor ich es in meiner temporären Demenz vergesse… Ich würde gerne meine Erfahrung bezüglich des Zuckertests mit euch teilen. Damit ihr nicht Panik lauft wie ich.

Als ich vor acht Jahren mit meinem ersten Kind schwanger war, gab es so etwas noch nicht serienmäßig. Das hat sich jetzt geändert: Der Zuckertest wird jeder Schwangeren angeboten, auch wenn sie ihn gar nicht machen will und es keine Anhaltspunkte für eine Schwangerschaftsdiabetes gibt. Und die Krankenkasse zahlt. Und auch mein Frauenarzt legte mir nahe, diesen Test zu machen. Warum nicht – schließlich schließt man ja jedes Risiko gerne aus, auch wenn man kein übergroßes schlechtes Gewissen hat endlos zu schlemmen oder ungesund zu leben und sogar Ende des siebten Monats noch Sport macht. Ich hatte eher keine Lust auf diese Zuckerlösung, die da getrunken wird. Warum sollte ich das meinem Körper antun… Aber man tut es dann doch…

Der erste Test wurde beim Frauenarzt gemacht. Ich kam nach dem Frühstück (ja, mir wurde gesagt ich soll vorher normal essen und trinken) und bekam 50mg Zuckerpampe, aufgelöst in einer Tasse warmem Wasser (so der Brauch in unserer Praxis) zu trinken. Die sollte ich dann auch innerhalb kurzer Zeit weghauen. Also habe ich sie brav geext wie verlangt – die Arzthelferin wunderte sich dann doch über die Geschwindigkeit. Aber ich mag an so etwas einfach nicht ewig herumnuckeln.

Anschließend saß ich eine Stunde ich Wartezimmer und glotzte die Wand an. Ich muss zugeben, dass mir von der ungewohnten Zuckerbombe doch etwas schummrig wurde. Nach einem Pieks in den Finger stand fest: Mein Zuckerwert war erhöht. Whaaaaat?! Ich wurde direkt zum Diabetologen überwiesen. Mit dem Fragezeichen im Hirn, ob es vielleicht doch falscher Alarm sein könnte, denn auch das gab es, sagte mir mein Frauenarzt. (Der Wert war erhöht – bis 135 wäre okay gewesen, ich lag bei 172 und Diabetes wäre mir erst ab 200 sicher gewesen.)

Auf den Termin beim Diabetologen wartete ich etwa eine Woche. In dieser Woche las ich alle möglichen Artikel über Gestationsdiabetes, Ernährung und Risiken. Horrorvisionen von einem riesenhaften Megababy taten sich vor meinem inneren Auge auf. Und von Insulinnadeln, die ich mir selbst setzen musste. Und bleibenden Schäden für mich und das Kind. Ich machte schon mal vorsorglich einen Zuckerentzug. Und zwar ab sofort, da bin ich ja konsequent (mit Ausnahme von Früchten und Kohlenhydraten, die den Zucker nicht so schnell in die Höhe schießen ließen).

Das Ergebnis war

  1. schlechte Laune (verzeih, Ehemann)
  2. die Erkenntnis, wie süchtig man doch ist, obwohl man denkt man isst einigermaßen gesund
  3. ein Tag Kopfweh und Kälteschauer
  4. eine Gewichtsabnahme von 1,5kg (jaaaa, trotz Schwangerschaft)
  5. ein Körper, der sich nachher besser anfühlte.

Dann kam der Termin beim Diabetologen. Ich freute mir schon ein Loch in den Bauch, wieder sowas eklig Süßes zu trinken, diesmal sogar 75mg, obwohl ich gerade einen Zuckerentzug gemacht hatte. Aber Fehlanzeige, diesmal gings. Ich bekam einen übersüßten Saft, der Zimmertemperatur hatte. Nun wurde das Blut auch vorher abgenommen und ich sollte nüchtern kommen (grooooßer Untercshied, auch in der Laune). Nicht einmal Wasser trinken war drin. Diesmal gab es drei Piekser in den Finger. Vor dem Trinken, eine Stunde nach dem Saftgenuss und zwei Stunden nachher. So lange hatte ich im Wartezimmer zu verweilen und mich nicht zu viel zu bewegen. Auch Pipimachen war eher schlecht, da ich ja den Zucker rausstrullern würde, aber da ich ja sonst nichts getrunken hatte, war das nicht so schlimm. Erst ging es mir ganz gut. Nach einer halben Stunde hatte ich mit einer überwältigenden Müdigkeit zu kämpfen. Nach einer Stunde fand man mich schlafend auf der Wartebank vor, ein Überbleibsel der Wartezeiten bei Modenschauen wahrscheinlich, dass ich so unverschämt war und mich einfach hinlegte wie eine Obdachlose. Pieks, wieder sitzen. Diesmal riss ich mich zusammen und las ein Buch. Und fror wie ein Schneider. Und googelte. Die Normwerte für den oralen Glukosetoleranztest hatte ich dann schlauerweise parat. Bei diesem Test (OGTT) mussten die Werte unter 92/180/153 liegen.

Ich lunste natürlich schon mal aufs Blatt, als die Werte dort eingetragen wurden. Und lachte mir insgeheim ins Fäustchen. Meine Werte lagen bei 89/133/104. Der Diabetologe beglückwünschte mich statt mir einen Vortrag über Ernährung zu halten und ich konnte heim. Vorher erfuhr ich aber noch den Grund für meinen erhöhten Wert vom „kleinen Zuckertest“. Es war der frisch gepresste O-Saft von dem ersten Test, nicht etwa das Marmeladen-Vollkornbrot. Orangensaft sei ein Zuckertsunami, erfuhr ich.

Und was lernen wir daraus? Nicht durchdrehen, solange sich noch nichts bestätigt hat. Und nicht zuviel googeln. Und dass Schwangerschaftsdiabetes laut der ganzen Foren voll „en vogue“ zu sein scheint, denn sobald man mal einen Grenzwert leicht überschritten hat, ist man in der Maschinerie drin. Mit langen Sitzungen beim Diabetologen. Das war vor acht Jahren noch nicht so. Keine Ahnung was ich besser finde. Jedenfalls bin ich jetzt trotz Kugel so schlank wie nie – lach! Okay, stimmt nicht.

Toi toi toi für euren Test und lasst euch nicht verrückt machen.

Eure Katerina

Quelle für die Normwerte: http://www.gestationsdiabetes.de

Foto: Romana Eisele

Haare & Make-Up: Tatiana Liss

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Categories Allgemein Family Health Pregnancy
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