Interview mit einer veganen Mama

Katerina Gottesleben • February 26, 2015 • 5 Comments

Vegane Ernährung ist nicht nur ein Trend, sondern ein Lifestyle. Es geht in erster Linie darum, Leid zu vermeiden. Tiere werden als gleichberechtigt angesehen und es wird nicht nur auf Fleisch verzichtet, sondern auf alle tierischen Produkte. Dazu gehört nicht nur Essen (Eier, Milch, Honig), sondern auch beispielsweise Lederwaren.

So lecker kann veganes Essen aussehen.

So lecker kann veganes Essen aussehen.

Es ist nicht immer leicht, all diesen tierischen Produkten aus dem Weg zu gehen. Ich habe selbst letztes Jahr den Versuch gewagt und nur ein paar Monate durchgehalten. Was ich aber definitiv aus dieser Zeit mitnahm: Ich denke jetzt darüber nach, was ich da eigentlich esse und mein Konsum von tierischen Produkten hat sich mindestens halbiert.

Tina Linne ist eine vegane Mama. Auch ihr Kind ernährt sie vegan – ohne irgendwelche gesundheitlichen Probleme. Ich hatte das Privileg, ihr ein paar Fragen stellen zu dürfen.

modelmum: Wie lange bist Du schon Veganerin und was waren Deine ersten Beweggründe, auf tierische Produkte zu verzichten?

Tina: Ich bin sozusagen schon vom Elternhaus vorbelastet – mein Vater hat sich sehr viel mit Ernährung beschäftigt und wurde schon Anfang der 80er zum Vegetarier. Auch meine eigene Familie lebte vegetarisch. Der Veganismus kam dann ein knappes Jahr nach der Geburt meines Sohnes Milan 2012 zu mir. Ich hatte das Buch “Peace Food” und außerdem “Tiere essen” gelesen und war anschließend so erschüttert vom Leid der Tiere, dass ich mich zum veganen Selbstversuch entschieden habe. Mein Mann wollte auch mitmachen, was mich zusätzlich motiviert hat, einen neuen Küchenstil zu kultivieren.

modelmum: Welche Auswirkungen hat der vegane Lebensstil auf Deine Figur und Gesundheit gehabt?

Tina: Es war nicht mein primäres Ziel abzunehmen, aber 3 Kilo verschwanden sozusagen ganz nebenbei, nachdem ich tierische Fette vom Speiseplan gestrichen hatte. Gesundheitlich geht es mit blendend, vor allem, seit ich täglich mindestens 500ml Grüne Smoothies trinke. Der Kauf des (zugegeben sehr kostenintensiven) Vitamix TNC war eine großartige Investition. Ich mache damit nicht nur Smoothies, sondern z.B. auch Rohköstliche Energiekugeln oder Kakao aus rohen Bohnen mit Mandelmilch. Neben der veganen Ernährung mache ich regelmäßig selbst Yoga und unterrichte es auch mit Leidenschaft. Ich kann jeder – ob nun Modelmum oder “normale” Mum – nur empfehlen, sich eine Sportart auszusuchen, die ihr wirklich Spaß macht und diese sowohl während der Schwangerschaft als auch nach der Rückbildung regelmäßig zu praktizieren. Dies ist nicht nur wichtig für den Körper, sondern auch für die Seele.

modelmum: Was gehört noch dazu außer Ernährung?

Tina: Vegane Hardliner werden empört aufschreien, aber ich habe bisher noch nicht alle Lederwaren aus meinem Haushalt verbannt, allerdings seit 2012 auch keine neuen Lederhandtaschen, Handschuhe etc. dazugekauft. Ich halte es für Verschwendung, bereits in meinem Besitz befindliche Kleidungsstücke, Taschen usw. wegzuwerfen, daher trage ich sie weiter. Bisher habe ich auch noch keinen Schuhersteller gefunden, der schöne und geschmackvolle vegane Schuhe anbietet, so dass ich auch weiterhin Lederschuhe trage. Ich achte dabei allerdings darauf, wo diese Schuhe herkommen und wie sie produziert wurden. Auch für meinen Sohn habe ich nicht ausschließlich veganes Schuhwerk erstanden.

modelmum: Wie schwierig ist es, den veganen Lifestyle bei Deinem Kind durchzusetzen?

Tina: Solange die Kinder noch zu Hause essen und trinken, ist es überhaupt nicht schwierig. Sobald sie allerdings zur Tagesmutter, in den Hort oder Kindergarten gehen, sieht die Sache schon ganz anders aus. Ich hatte das Glück, zumindest eine vegetarisch & bio kochende Tagesmutter zu finden, die der veganen Ernährung gegenüber offen war und ihren Speiseplan mit Milans Eintreffen um etliche vegane Gerichte erweitert hat. Seit er in den Kindergarten geht, wird es so gut wie unmöglich, seine Ernährung zu kontrollieren. Ich gebe ihm ein großes Frühstück mit Vollkornbrot, Obst und Gemüse mit und die Betreuerinnen dort wissen, wie wir uns zu Hause ernähren. Sie ermuntern Milan z.B. beim gemeinsamen Mittagessen nicht, Fleisch zu essen. Sollte er das aber von sich aus wollen (was bisher übrigens nur 1x vorgekommen ist, ansonsten bleibt er bei den Beilagen), darf er diese Erfahrung auch machen. Ich denke, das ist eine entspannte Lösung für alle und möchte meinem Kind auch nicht meine Lebensentscheidungen aufzwingen. Allerdings werde ich ihm immer wieder altersgerecht erklären, warum es bei uns zu Hause keine Milch und keine Würstchen gibt. Sobald er alt genug ist, die ganze Tragweite zu erfassen, kann er sich dann selbst entscheiden, wie und was er essen möchte.

Milan hat Spaß an veganem Essen :-)

Milan hat Spaß an veganem Essen.

modelmum: Wie beurteilen Ärzte eigentlich vegane Ernährung in der Wachstumsphase? Fehlt Milan irgendetwas?

 Milan erfreut sich bester Gesundheit, ist sogar ein ganzes Stück größer geraten als der reguläre 3-jährige (wobei das wohl eher an der Länge von Mama & Papa liegt ;)). Als er komplett vegan gegessen hat (also in den ersten 18 Monaten seines Lebens), habe ich Vitamin B12 supplementiert, weil das extrem wichtig für die Gehirnentwicklung ist. Ansonsten habe ich darauf geachtet, dass er ausgewogen-abwechslungsreich isst und trinkt. Nachdem er zur Tagesmutter gewechselt ist, hat er auch vegetarische Gerichte gegessen, seitdem supplementiere ich gar nicht mehr. Wir waren gerade bei der 36-Monats-Untersuchung und die Ärztin war sehr zufrieden. Sie hat noch nie etwas Negatives über unsere Ernährungsweise gesagt, allerdings ist es auch eine ganzheitlich arbeitende Kinderärztin mit homöopathischem Schwerpunkt, das macht die Verständigung sicher einfacher. Von einigen Freundinnen weiss ich, dass Schulmediziner gerne mal alle möglichen Vorurteile herunterbeten, sobald sie hören, dass ein Kind vegan oder überwiegend vegan ernährt wird. Interessant ist, dass Milan z.B. Eier oder Milch nicht anrührt und auch Yoghurt oder Quark ausspuckt. Hafer – Mandel oder Haselnussmilch hingegen trinkt er mit Begeisterung. Der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, dass er seit einem Jahr großer Käse-Fan ist, allerdings muss es bitte der hochwertigste AOC-Schafsmilchkäse aus den Pyrenäen sein, schlichten Quäl-Plastik-Gouda aus dem Supermarkt verschmäht er konsequent. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Kinder sehr wohl wissen, was gut für sie ist und stets qualitativ hochwertige Nahrung bevorzugen – wenn sie denn welche angeboten bekommen. Gutes Essen ist im wahrsten Sinne des Wortes Nahrung – und das gilt natürlich auch für Erwachsene.

Vielen Dank an Tina für diesen informativen Einblick. Sie schreibt übrigens auch einen wunderbaren Blog, auf dem sie viele leckere Rezepte veröffentlicht. Auch kindgerechte Rezepte!  Auch ich werde hier in Zukunft einige davon empfehlen – als kleine Inspiration. Wenn ihr interessiert seid, schaut doch mal rein!

Auch für Kinder gibt es leckere Rezepte!

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HEAVEGANLYFOOD.TWODAY.NET

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5 Kommentare

  • Sunil Ramlall • 3 years ago

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