Elternschlaf wird völlig überbewertet….

Katerina Gottesleben • April 26, 2015 • 1 Comment

Wenn Kinder schlafen, sind sie zum Auffressen süß. Ich liebe es, mich an meinen Sohn zu schmiegen, meine Nase in seinen Nacken zu bohren und seinen unschuldigen Kindergeruch aufzusaugen. Das gibt mir all die Energie zurück, die ich bei seiner nächtlichen Pflege verloren habe.

Man braucht sich ja nichts vorzumachen. Wenn man nicht gerade das große Los gezogen hat, ist ein Baby erst einmal mit einer direkten Linie mit schlaflosen Nächten zu verbinden. Mit VIELEN schlaflosen Nächten. Anfangs war es bei uns so schlimm, dass ich morgens teilweise kaum noch wusste, wie ich heiße. Mein Sohn war nachts ein gnadenloses Schreikind. Das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ hätte ich nach vielen Versuchen gerne aus dem Fenster geworfen. Wir zogen es einfach nicht durch, unserem Baby die Flasche zu verweigern und es schreien zu lassen. Von der Stillzeit bis es ein halbes Jahr alt war, brauchen wir gar nicht zu reden. Regelmäßig durchgeschlafen hat er erst mit 2,5 Jahren.

Ich glaube im Nachhinein ich hätte eine Sache anders machen sollen. Viele rieten mir, meinen Sohn bloß nicht daran zu gewöhnen, bei mir im Bett zu schlafen. Ich wollte den Rat befolgen und brach die Sache über´s Knie, indem ich ihn ab 4 Monate mitsamt seines Bettchens in sein eigenes Zimmer (direkt neben unserem Schlafzimmer) verlegte. Von da an wurden die nächtlichen Konzerte noch schlimmer. Statt meinen Sohn einfach an meine Brust zu docken und weiter zu dösen, wandelte ich viermal die Nacht in Zombiemanier in sein Zimmer, setzte mich auf einen unbequemen Stuhl und stillte das Kind. Später hielt ich tapfer seine Flasche und fiel dabei beinahe bewusstlos in sein Bett, so übermüdet war ich.

Ich hätte ihn einfach nur in meinem Bett schlafen lassen sollen.

Das wurde mir schlagartig klar, als ich damals von meinem Mann auszog und diese pädagogisch wertvollen Tipps über Bord warf. Um meinem Kind noch mehr Liebe zu Teil werden zu lassen, damit er unsere Trennung irgendwie verkraftete, ließ ich ihn einfach bei mir schlafen wenn er wollte. Und ja – er wollte. Immer. Und wisst ihr was – es wurde schlagartig besser mit seinen Schreianfällen. Plötzlich schlief er immer öfter durch. Statt der nächtlichen Tiraden kuschelte er sich einfach an mich und schlief weiter. Ich muss zugeben, dass es auch mir sehr gut getan hat.

Schlaf1

Sooooviel Platz für die Mami…

Was soll´s , dass er immer wieder quer lag und mich dabei fast aus dem Bett schmiss. Dass ich regelmäßig seine Füßchen in meiner Magengrube hatte oder im Gesicht. Wir waren beide zufriedener und ausgeschlafener. Mittlerweile ist das Kindchen schon 5 Jahre alt. Es hat natürlich sein eigenes Zimmer und sein eigenes Bett, wo es die Nächte verbringt, aber ich werd nen Teufel tun und ihm verbieten, nachts zu mir zu kommen. Wenn er will, darf er immer zu Mama unter die Decke krabbeln. Das gibt nicht nur ihm das Gefühl der Geborgenheit, sondern auch ich kann ruhig einschlafen mit dem Wissen, dass das Kind sich nachts nicht allein in seinem Zimmer fürchtet.

In diesem Sinne: Pädagogin werde ich zwar nicht, aber ich will ja auch nur eine liebevolle Mutter sein.

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1 Kommentar

  • Nath Alie • 3 years ago

    Bei uns gab es, neben einem eigenen Bett, immer das Familienbett. Und nein, man rollt wirklich nicht nachts auf sein Kind, im Gegenteil. Eher liegt man stocksteif die ganze Nacht auf einer Seite, dass einem morgens alles weh tut… Gestillt wurde nach Bedarf ohne Aufzustehen und oft schliefen wir beide dabei sogar ein. Auch heute kommen beide Jungs (7 und 4,5 Jahre) noch ab und zu zu Mama und Papa ins Bett, vorallem natürlich wenn sie krank sind. Und ja nach ein paar Tagen in Folge, bin ich auch müde und genervt, aber trotzdem kuschel ich mich auch immer wieder gerne an meine zwei Schätze. Denn wenn ich mir überlege, dass es spätestens etwa ab der Pubertät mit ausgiebigem Kuscheln vorbei sein wird, zahle ich jetzt auch gerne den Schlafmangelpreis mit dem guten Gewissen meinen Kindern soviel Liebe und auch nächtliche Geborgenheit mitgegeben zu haben wie ich konnte. Daran kann einfach nichts verkehrt sein.