Ein guter Vorsatz…

Katerina Gottesleben • December 31, 2015 • 2 Comments

Meine Lieben! Mein Nachname klingt deutsch. Er ist auch deutsch – aber das täuscht. Ich kam 1994 mit meiner Familie in euer Land. Obwohl wir keine “Flüchtlinge” waren und mein Papa uns wegen seines Jobs für eine tschechische Firma nach Frankfurt mitnahm, hatte ich mir euer Land wirklich komplett anders vorgestellt. Klar – ich war 10 und kam aus der Kleinstadt – was wusste ich schon von der Welt. Aber niemand hatte mir gesagt, dass ich im “gelobten Land” trotz meiner ausschließlichen Einsen auf dem Zeugnis auf einer Hauptschule landen würde. Dass ich dort als Storch gehänselt werde, mir als der Jüngsten, die sich nicht wehren kann, täglich ins Gesicht gespuckt wird und ich im Intensivkurs Deutsch eher andere Sprachgrundlagen lernen werde, mit welchen ich dann ein Jahr später auf dem Gymnasium aufwarten muss. Dass es auf deutschen Gymnasien wichtig ist, welche Hosenmarke man trägt und ich nicht mit schlabbrigen rosa Jeans in zweiter Generation anrücken kann, weil ich dann der Klassendepp forever werde. Diese Tatsachen hatte ich vorher wirklich nicht auf dem Trichter. Das entsprach nicht meinen Wertevorstellungen. Mein Image als Aussenseiter zog sich mit mir bis zur zehnten Klasse, bis ich dann für meine Mitschüler zur Tanzlehrerin wurde. Oder – sagen wir mal – ab der Zehnten war’s mir egal, was man über mich denken mochte, ich hatte ein paar Freunde und eine Beschäftigung – das Tanzen. Die Lehrerin von der Hauptschule, die mir damals gesagt hatte, dass ich es niemals aufs Gymnasium schaffen werde, traf ich irgendwann im letzten Jahr zufällig in der Stadt. Sie hatte mich tatsächlich erkannt und mich auf mein selbst geschriebenes Buch angesprochen. Eine der Schülerinnen, die mich damals bespuckte, arbeitet als Arzthelferin. Ich sagte ihr höflich “Guten Tag”. Sie sprach noch immer kein perfektes Deutsch. 

Was ich damit sagen will? – Bitte gebt euch Mühe, unsere neuen Mitmenschen in diesem Land zu integrieren. Denn Hass entsteht nicht durch fremde Kultur. Hass entsteht als Reaktion… Versetzt euch mal in sie hinein statt ihre Notunterkünfte anzuzünden. Seid freundlich und lernt sie kennen. Ihr werdet etwas von ihnen lernen!

Ich finde das sollte unser Vorsatz für 2016 werden.

Ich wünsche euch einen guten Rutsch in ein friedliches neues Jahr!

HappyNewYear

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